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13:38 31.12.2018
Feliz Navidad, Vivien

Winterjacke, Eintopf und der Duft von gerösteten Maronen gehörten definitiv nicht zu meiner Vorstellung von einem Auslandssemester in Südspanien. Als ich das erste Mal von der südwestlich liegenden spanischen Provinz Extremadura gehört habe, war mir die 96 000-Einwohner- Stadt Cáceres völlig unbekannt. Die ungeahnte Vielfalt an Architektur und Natur sowie der Titel Weltkulturerbe überraschten mich.

Auch mit meinen Mitbewohnern hätte ich es nicht besser treffen können. Mit vier Spaniern und Spanierinnen sowie drei anderen Erasmus-Studenten aus Frankreich und Belgien gibt es immer die Gelegenheit, sich über Land und Leute auszutauschen. Am liebsten jedoch reise ich an den freien Wochenenden durch Spanien und lerne mit jedem Mal dazu, dass Spanien eben doch nicht nur Fiesta und Siesta ist, sondern das Land noch viel mehr zu bieten hat.


Zu Anfang meines Aufenthalts, als der Herbst bei uns im Norden schon die ersten Blätter gelb werden ließ, war der Sommer hier noch lange nicht vorbei. Als dann Mitte Oktober die Temperaturen nicht mehr über 30 Grad Celsius kletterten und die Sonne zeitweise von Regenwolken verdeckt war, hat sich das trockene Land mit seinen typischen Kork- und Olivenbäumen doch tatsächlich in eine saftig-grüne Landschaft verwandelt. Mit dem November kam jedoch auch hier der Winter ins Land und brachte kalten Wind und nicht zuletzt das Bedürfnis, sich mit Jacke und Schal etwas wärmer einzupacken. Jedoch lassen sich die Spanier davon nicht beirren und treffen sich weiterhin vor Cafés und Bars, um sich über den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Als im Dezember die kleinen Gassen mit Weihnachtsdekoration und die Palmen mit Lichterketten geschmückt doch zunehmend weihnachtlich aussahen, hielt mich nichts mehr davon ab, mir eine Tüte geröstete Maronen zu kaufen.


Zu dieser Jahreszeit kann man außerdem ein Los für die Weihnachtslotterie erwerben. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein alltägliches Lottospiel mit einem großen Gewinner, sondern stehen die Chancen, bei der Sorteo de Navidad etwas zu gewinnen, sehr günstig. Was es zu einer besonderen Tradition macht, ist zum einen der Brauch, seinen Gewinn mit Familie und Freunden zu teilen. Zum anderen sind es die kreativen Werbespots, die jedermann dazu animieren, ein Los zu kaufen. Sind dann am 22. Dezember alle Bars randvoll mit den glücklichen Gewinnern, deren Freunden und Familie, kann der Heilige Abend kommen. Da es die Geschenke für die spanischen Kinder erst am 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, gibt, verschiebt sich der Weihnachtsstress doch um einige Tage. Die Geschenke, die bei uns der Weihnachtsmann mit seinen Rentieren am 24. Dezember von Tür zu Tür bringt, werden hier von Caspar, Melchior und Balthasar auf drei Kamelen gebracht. Wer sich das Jahr über nicht benommen hat und nach unserer deutschen Tradition eine Rute bekommt, ärgert sich hier über Kohlenstücke. So sehr ich unser doch sehr sinnliches Weihnachtsfest genieße und gerade diese Zeit mit meiner Familie und meinen Freunde vermisse, finde ich die Nächstenliebe und Freude der Spanier sehr erfrischend und bewundernswert. Vivien Stomme

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