Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover

Home Sonderthemen Wochenblatt Komplett Was ist bei einer Trauerfeier erlaubt?
Anzeige
13:52 04.12.2018
Trauerfeiern in einer Friedhofskapelle sind gewissen Regeln unterworfen – doch vieles ist individuell zu klären.

04.12.2018

Wochenblatt Komplett

Eine Trauerfeier ist immer ein überaus sensibler Termin – nicht nur für die trauernden Angehörigen. „Deshalb ist es ratsam, sich zuvor einmal mit dem Bestatter des Vertrauens auseinanderzusetzen, um abzuklären, was erlaubt ist – vor allem aber auch, was gewollt ist“, sagt Torsten Jöcks, der Vorsitzende des Fachverbandes Hannoverscher Bestatter e. V.

Christliche Botschaft nicht ad absurdum führen

Vieles ist erlaubt, doch die christliche Botschaft darf nicht ad absurdum geführt werden. Das ist der rote Faden, den der Evangelisch- lutherische Stadtkirchenverband Hannover seinen Pastorinnen und Pastoren mit auf den Weg gibt, wenn diese eine Trauerfeier in einer Kirche oder Friedhofskapelle planen. Die Gestaltung der Trauerfeier ist in einem hohen Maße individuell mit der Pastorin oder dem Pastor abzusprechen, doch es gibt gewisse Grundregeln, lautet die Kernaussage der Kirche.

Das Credo: „Letztlich wählen die Hinterbliebenen mit einer christlichen Trauerfeier auch schon den Rahmen aus und unterwerfen sich mit dieser Entscheidung freiwillig gewissen Regeln.“ Die Kirche predigt die Hoffnung der Wiederauferstehung, und auch dieser christliche Leitgedanke darf bei einer Trauerfeier nicht fehlen und schon gar nicht infrage gestellt werden. Es muss deutlich sein, dass es sich bei der Trauerfeier um eine christliche Feier im Sinne der Evangelischlutherischen Kirche handelt. Aber links und rechts des roten Fadens ist genügend Platz vorhanden, um die Trauerfeier entsprechend den Wünschen des Verstorbenen und der Hinterbliebenen zu gestalten, lautet eine weitere Stellungnahme der Kirche.

Individualität ist dennoch wichtig

So individuell wie die Angehörigen, in erster Linie aber der Verstorbene, für den ja die Trauerfeier gehalten wird, sind, so individuell soll auch die Trauerfeier sein. Musikstücke, auch moderne, sind möglich. Und es gibt zum Beispiel keine Vorgaben, in welcher Kleidung die Menschen zur Trauerfeier erscheinen müssen. Es ist durchaus auch gewünscht, dass die Trauerfeier nicht nur schwarz im übertragenen Sinne gestaltet wird, sie darf ruhig auch ein wenig fröhlich sein. Verboten ist allerdings der Genuss von Alkohol während einer Trauerfeier – auch wenn der Verstorbene ein noch so großer Weinfreund und Liebhaber gewesen sein mag.

„Freie“ Trauerfeiern

Werden Trauerfeiern für Verstorbene organisiert, die keiner christlichen Glaubensgemeinschaft angehören, so kann der Rahmen flexibler gestaltet werden. Bei einer Feier in einer Kirche oder einer Friedhofskapelle sind dennoch gewisse Regeln zu beachten. Die können durchaus differenzieren, sodass auch hier ein Informationsgespräch mit der verantwortlichen Verwaltung der Einrichtung sinnvoll ist.



Kirchengesetz beantwortet Fragen

Das Kirchengesetz über die Bestattung beantwortet die meisten Fragen zum Thema Beerdigung und Trauerfeier. Darin enthalten sind sieben Paragraphen. Unter anderem Paragraph 4, die Agende. Darin heißt es unter anderem: „Traditionen in der Kirchengemeinde sind zu berücksichtigen, Reden, Symbole, Bräuche oder andere Veranstaltungen, die im Widerspruch zur christlichen Lehre stehen, sind nicht zulässig.“

Auskünfte über die Art der Trauerfeier gibt es in allen Kirchengemeinden.


„Unter allen Wipfeln ist Ruh“

Waldbestattungen in einem Ruheforst werden immer beliebter

Der Ruheforst im Deister wird – ebenso wie artverwandte Anbieter – immer stärker frequentiert.
Der Ruheforst im Deister wird – ebenso wie artverwandte Anbieter – immer stärker frequentiert.

Immer mehr Menschen möchten nicht mehr traditionell auf einem klassischen Friedhof einer Gemeinde oder Stadt beigesetzt werden, sondern in der freien Natur. Die Anfragen nach Urnenplätzen in sogenannten Ruheforsten oder Friedwäldern nimmt zu.

Die Mitgliedsbetriebe des Fachverbandes Hannoverscher Bestatter e. V. sind auch in diesem Fall die richtigen Ansprechpartner, wenn es um diese Form der Bestattung geht.

Ein Hauptgrund für diese Wahl der Bestattung ist der Wunsch, dass die Familienangehörigen mit der Pflege der Grabstelle möglichst wenig Arbeit haben. Sehr viele Menschen möchten aber auch einfach in freier Natur bestattet werden und suchen sich deshalb einen Ruheforst als letzte Bestattungsstelle.

Ein Ruheforst der Region wurde von der Frhr. Knigge’sche Forstverwaltung Bredenbeck ausgewiesen. Und mit dem Terrain am Waldrand in Bredenbeck im Deister hat die Forstverwaltung den Zeitgeist vieler Menschen getroffen. Geschäftsführer Ralf Schickhaus nennt Gründe, warum sich Menschen um einen Platz in wunderschöner Natur bemühen: „Wir nehmen die Menschen ernst und wichtig, wir hören zu, wir sorgen für einen persönlichen Service und betreuen sowohl zu Lebzeiten als auch nach dem Tod die Angehörigen.“


Zudem sei die Möglichkeit, in der natürlichen Umgebung des Waldes beigesetzt zu werden, für viele Menschen eine würdevolle Art des Abschieds. „Ruhe, Harmonie und ständiger Wandel der Natur spenden Trost für Angehörige und Freunde, entsprechend wird die letzte Ruhestätte nicht Grab, sondern RuheBiotop genannt.“

Zu Lebzeiten informieren

Interessenten können sich zu Lebzeiten informieren und beraten lassen, sich mit dem Ort vertraut machen und sich eine letzte Ruhestätte in alten, naturbelassenen Waldbeständen aussuchen.

Im Ruheforst befinden sich zahlreiche RuheBiotope. Diese Flächen, durch einen Baum oder ein anderes Naturmerkmal gekennzeichnet, können als letzte Ruhestätte ausgewählt werden. Hier können einzelne Personen, Familien oder andere im Leben verbundene Menschen beigesetzt werden. Dabei ist eine Beisetzung nur nach Einäscherung in einer Urne möglich. Blumen oder anderer Grabschmuck sind in der Regel nicht zulässig.

Ein natürlicher Teil des Waldes

RuheBiotope benötigen keine Pflege, da sie Teil des natürlichen Waldes sind. Sie können schon zu Lebzeiten ausgewählt werden. Das Recht auf Nutzung eines RuheBiotops kann auf bis zu 99 Jahre erworben werden. Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt.

Während einer kostenlosen Führung haben Interessenten die Möglichkeit, sich näher über diese Bestattungsform zu informieren und den seit mehreren Waldgenerationen nachhaltig genutzten Baumbestand kennenzulernen.

Auf Trauerzeremonien kann, muss aber nicht verzichtet werden. Ganz im Gegenteil, sie können überaus individuell gestaltet werden.

Datenschutz