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Home Sonderthemen Komplett Die „Roten“ starten mit neuem Kader in die Saison
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12:30 26.07.2019
DER 96-KADER DER SAISON 2019/2020: 4. Reihe (v. l. n. r.): Timo Rosenberg (Reha- und Athletiktrainer), Dennis Fischer (Reha- und Athletiktrainer), Tobias Stock (Reha- und Athletiktrainer), Timo Hübers, Marcel Franke, Hendrik Weydandt, Felipe, Steffen Gniesmer (Physiotherapeut), Thorsten Klopp (Physiotherapeut) und Jens Vergers (Physiotherapeut); 3. Reihe (v. l. n. r.): Raymond Saka (Zeugwart), Servet Kaya (Zeugwart), Josip Elez, Jonathas, Walace, Waldemar Anton, Marvin Ducksch, Edgar Prib, Sebastian Soto, Fabio Morena (Teammanager) und Dr. Felix Hessel (Mannschaftsarzt); 2. Reihe (v. l. n. r.): Asif Saric (Co-Trainer), Lars Barlemann (Co-Trainer), Marco Stefandl, Chris Gloster, Genki Haraguchi, Miiko Albornoz, Iver Fossum, Sebastian Jung, Jörg Sievers (Torwarttrainer) und Mirko Slomka (Cheftrainer); 1. Reihe (v. l. n. r.): Justin Neiß, Niklas Tarnat, Matthias Ostrzolek, Julian Korb, Philipp Tschauner, Ron-Robert Zieler, Michael Esser, Marvin Bakalorz, Linton Maina, Florent Muslija und Cedric Teuchert. Lars Kaletta

Am vergangenen Sonntag hat sich Hannover 96 seinen Fans präsentiert. Rund um die HDI-Arena stand ein großes Familienfest mit zahlreichen Aktionen auf dem Programm – alles im Rahmen der traditionellen Saisoneröffnungsfeier mit der Mannschaftsvorstellung als Höhepunkt, bei der Selfies und Autogramme natürlich hoch im Kurs stand.

Zieler kehrt zurück

Besonders neugierig waren die Anhänger auf die Neuzugänge. Der prominenteste davon ist ein alter Bekannter: Ron-Robert Zieler kehrte im Juni nach Hannover zurück. Zieler stand zuletzt beim VfB Stuttgart im Tor. Die Schwaben ereilte vergangene Saison das gleiche Schicksal wie 96 – der VfB stieg in die 2. Liga ab, mit dem kleinen Unterschied, dass dies über den Umweg der Relegation passierte. Zieler hätte also auch mit den Stuttgartern in die 2. Liga gehen können. In dieser Spielklasse ist der Torhüter zum ersten Mal in seiner Karriere aktiv – dass er in Hannover die 2. Liga bestreitet, dürfen die Fans von 96 als Wertschätzung verstehen. Denn in Interviews hatte der 30-Jährige immer wieder betont, wie groß für ihn in Hannover der Wohlfühlfaktor in Stadt und Verein ist.

Im weiteren Sinne schließt sich für Zieler hier auch der Kreis. Sein damaliger und heutiger Trainer Mirko Slomka stellte ihn im Januar 2011 zu Beginn der Rückrunde beim 3:0-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt überraschend für Stammkeeper Florian Fromlowitz ins Tor. Das Ende ist bekannt: Hannover 96 schloss die Saison auf dem vierten Platz ab und erlebte zwei berauschende Jahre in der Europa League mit Zieler zwischen den Pfosten. 2014 erfüllte sich für den Keeper ein weiterer Traum: Auch wenn er ohne Einsatz blieb, so gehörte er als dritter Torhüter zum Kader der Nationalmannschaft, die in Brasilien den vierten deutschen Weltmeistertitel gewann.

Die Neuzugänge

In der Abwehr hat sich Hannover 96 mit Marcel Franke (Norwich City) und Sebastian Jung (VfL Wolfsburg) verstärkt. Der junge Amerikaner Chris Gloster rückt aus der eigenen U23 ins Profiteam auf. Ebenfalls bislang in der zweiten Mannschaft, die in der Regionalliga kickt, war zuletzt Niklas Tarnat tätig. Der Sohn von Michael Tarnat, früherer 96-Profi und aktuell Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, gehört ab sofort zu Slomkas Zweitligakader. Aus dem eigenen Stall kommen auch Sebastian Soto und Justin Neiß (beide eigene U19). Soto gilt als vielversprechendes Sturmtalent. Er machte zuletzt bei der U20-Weltmeisterschaft im Trikot der Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten auf sich aufmerksam – genau wie Gloster. Im Gegensatz zu dem Abwehrspieler konnte er als Angreifer naturgemäß mit Toren glänzen. Soto gelangen vier Turniertreffer. Damit hatte er großen Anteil daran, dass die USA das Viertelfinale erreichten, wo jedoch gegen Ecuador Endstation war.

Große Hoffnungen der 96-Fans liegen auch auf zwei weiteren Spielern, die zur „Abteilung Attacke“ zählen und möglichst viele Tore erzielen sollen: Marvin Ducksch (kam von Fortuna Düsseldorf) und Cedric Teuchert (ausgeliehen von Schalke 04). Ducksch ist dabei sogar die Rolle eines Publikumslieblings zuzutrauen. Denn seine Mentalität und Leidenschaft auf dem Platz dürften die Zuschauer mitreißen. Hinzu kommt, dass der ehemalige Spieler von Holstein Kiel die 2. Liga gut kennt und weiß, wie man hier besteht – und dabei auch erfolgreich ist. Mit den Schleswig-Holsteinern spielte der gebürtige Dortmunder in der Saison 2017/2018 eine überragende Runde, scheiterte mit Holstein als Tabellendritter der 2. Liga anschließend in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg am Bundesliga-Aufstieg. Teuchert stammt aus der Jugendabteilung des 1. FC Nürnberg. Bei den Franken wurde er zum Profi, erzielte in 41 Zweitligaspielen immerhin elf Tore, ehe er zu Schalke wechselte. Dort sammelte der U21-Nationalspieler bereits Bundesliga-Erfahrung. Mit den „Königsblauen“ kam er sogar zu zwei Champions-League-Einsätzen. Mit gerade einmal 22 Jahren hat er zudem schon sein privates Glück gefunden – vor zwei Wochen heiratete er nach der Rückkehr aus dem österreichischen Trainingslager seine Freundin Lisa standesamtlich in Gelsenkirchen. Im nächsten Jahr soll die große Feier folgen. Aber erst nach der Saison, in der er viel vorhat. „Hannover gehört in die Bundesliga, ist eine Bundesliga-Stadt. Wir wollen aufsteigen“, sagte Teuchert.

Chef der 96-Profiabteilung, den zweiten Platz als Saisonziel aus – der würde zum Wiederaufstieg berechtigen, auch wenn Kind diesen nicht als „alternativlos“ einforderte wie nach dem Abstieg 2016. Fakt ist, dass die „Roten“ viele Baustellen aus der Vorsaison in den Griff bekommen müssen. Ganz simpel ausgedrückt: Vorn und hinten gab es Probleme. Die Hannoveraner haben in 34 Partien zu viele Tore kassiert und zu selten Treffer erzielt.

Hinzu kommt die Umstellung auf die 2. Liga, der nachgesagt wird, dass hier mehr Fußball gekämpft als technisch sauber gespielt wird. Gutes Omen: Mit Slomka soll es zurück in die Zukunft gehen. Der frühere 96-Trainer, von Januar 2010 bis Dezember 2013 insgesamt 169-Mal an der Seitenlinie verantwortlich, steht für die besseren Zeiten der jüngeren 96-Vergangenheit. Und der Mann weiß, wie man in die Bundesliga aufsteigt: Im April 2002 feierte Hannover seine Helden, Slomka war damals Co-Trainer unter Ralf Rangnick und damit ein wichtiger Baumeister des Bundesliga-Aufstiegs.

Die Testspiele

Zu einer Saisonvorbereitung gehört nicht nur intensives Training – auch die Testspiele sind wichtig, damit das Trainerteam wichtige Eindrücke gewinnen kann. Hannover 96 bestritt insgesamt zehn Partien. Dabei war die Mannschaft von Slomka in der Region im Einsatz – und das mit Erfolg: Alle drei Testspiele konnte die Mannschaft für sich entscheiden, bevor es zum Trainingslager nach Österreich ging.

Den Auftakt der Testserie stellte eine Begegnung beim Kreisligisten MTV Mellendorf dar. Der Sportverein aus der Wedemark hatte sich passend zu seinem 100-jährigen Bestehen frühzeitig den Auftritt der 96er gesichert. Die Hannoveraner gewannen beim MTV mit 6:0. Tags darauf gewann Slomkas Team beim Bezirksligisten TSV Bemerode mit 6:1.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren waren die „Roten“ beim 1. FC Wunstorf zu Gast – die Auestädter zeigten sich trotz ihres Abstiegs aus der Oberliga in die Landesliga wieder als schwerer Gegner. Dennoch gewann 96 mit 4:0.

Vor dem Abflug ins Trainingslager behielt 96 beim Lüneburger SK Hansa mit 3:2 die Oberhand. Der Regionalligist leistete zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung den größten Widerstand aller Testspielgegner.

Im österreichischen Stegersbach folgten schweißtreibende Einheiten, zudem standen drei Testspiele auf dem Programm. Gegen den Austria-Bundesligisten TSV Hartberg setzte es eine 0:2-Niederlage. Gegen den russischen Erstligisten FK Rostov gewann Hannover mit 2:1. Vor dem Abflug setzte sich 96 noch mit 3:1 beim Zweitligisten Grazer AK, ehemaliger Verein des früheren 96-Kapitäns Christian Schulz, durch.

Vor der Rückkehr nach Hannover legte Slomka mit seinem Team noch in Rostock einen Zwischenstopp ein. Im Ostseestadion trennte man sich vom Drittligisten FC Hansa torlos. Beim Regionalliga-Aufsteiger HSC Hannover gab es Mitte der vergangenen Woche einen 4:0-Erfolg, genau wie im Vorjahr.

Die Generalprobe vor dem Saisonbeginn bestritt Hannover 96 am vergangenen Sonnabend im Eilenriedestadion. Die Partie gegen den niederländischen Erstligisten FC Groningen endete 0:1 für die Gäste.

Die Abgänge

Fluktuationen im Kader sind normal – vor allem bei einem Abstieg ist es üblich, dass einige Spieler den Verein verlassen und es einen zumindest kleinen Umbruch im Kader gibt. Einen großen Verlust für die Fans von Hannover 96 stellen zwei Spieler dar, die in den vergangenen beiden Bundesliga-Saisons zu den Leistungsträgern zählten: Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou.

Diese Spieler gehörten sogar zu den Publikumslieblingen. Das Problem: Beide Kicker hatten in der vergangenen Saison mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen. Ihre Abwesenheit war auch mit ein Grund dafür, dass 96 die Klasse nicht halten konnte und nun eine Liga tiefer antreten muss.

Füllkrug, als Ricklinger ein waschechter Hannoveraner und schon deswegen gern gesehen, wechselte zum SV Werder Bremen. Bei den Hanseaten war er bereits in der Vergangenheit am Ball. Bebou, der nach offiziellen Messungen der schnellste Spieler der Bundesliga ist, hat sich der TSG 1899 Hoffenheim angeschlossen. Ebenfalls im deutschen Oberhaus vertreten bleibt Noah-Joel Sarenren-Bazee. Der Flügelflitzer, der bei 96 nicht nur in der vergangenen Saison mehr verletzt als spielfähig war, steht ab sofort beim FC Augsburg unter Vertrag.

Hinzu kommen zahlreiche Abgänge von Spielern, die teilweise zu anderen Vereinen ausgeliehen werden oder die zu ihrem Stammverein zurückkehren – nachdem die Ausleihe nach Hannover beendet ist. Zu letzterer Kategorie zählen Kevin Akpoguma (zurück nach Hoffenheim), Kevin Wimmer (Stoke City), Takuma Asano (FC Arsenal London), Bobby Wood (Hamburger SV) und Nicolai Müller (Eintracht Frankfurt).

Torhüter Leo Weinkauf hat Hannover 96 an den Drittligisten MSV Duisburg verliehen. Verlassen haben den Verein Mike-Steven Bähre und Samuel Sahin-Radlinger (beide FC Barnsley). Unbekannt ist das Ziel von Uffe Bech. Die weiteste Entfernung zu einem neuen Verein hat Pirmin Schwegler zurückzulegen. Der Mittelfeldspieler ist ab sofort in Australien am Ball, Western Syndey ist der Name seines neuen Klubs. (Stand bei Redaktionsschluss)

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