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07:21 06.02.2019
DREI ABSCHLÜSSE AUF EINMAL: Das ist zum Beispiel im Studiengang Handwerksmanagement möglich. iStockphoto.com/ AleksandarGeorgie

Von Martina Steffen

Eine Lehre machen, parallel den Meisterbrief und gleichzeitig studieren – das funktioniert nicht? Von wegen! Das triale Studium macht es möglich. Die Handwerkskammer Hannover bietet Abiturienten dafür zwei unterschiedliche Studiengänge an: den Bachelor of Arts Handwerksmanagement und den Bachelor of Arts Craft Design. Schwerpunkt beim Handwerksmanagement ist das betriebswirtschaftliche Wissen, beim Craft Design das Wissen um die Gestaltung. 

Das triale Studium kombiniert eine Ausbildung im Handwerk mit einer anschließenden Meisterqualifikation und einem wissenschaftlichen Studium. Nach vier oder viereinhalb Jahren können Absolventen den Gesellenbrief, den Meisterbrief und den Bachelor of Arts erreichen. 

Voraussetzung für diese Ausbildung ist eine Hochschulzugangsberechtigung sowie ein Ausbildungsvertrag im Handwerk. Die Studiengänge werden in Kooperation mit der Akademie des Handwerks der Handwerkskammer Hannover sowie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und der DIPLOMA Hochschule angeboten.

„Das Besondere am trialen Studium ist die Möglichkeit, Fachpraxis und betriebswirtschaftliches beziehungsweise gestalterisches Know-how in einem Studium zu vereinen“, sagt Marthe Korbach, Beauftragte für Handwerk und Hochschule bei der Handwerkskammer Hannover. „Das schafft eine optimale Ausgangssituation, um zukünftig Fach- und Führungsaufgaben im Handwerk zu übernehmen.“ Das Studium könne mit jedem der 130 Ausbildungsberufe kombiniert werden, berichtet Korbach. So nutzten jährlich etwa 15 bis 20 Studierende pro neuem Jahrgang den Studiengang Handwerksmanagement.


"Die Betriebe nutzen das triale Studium, um zukünftige Fachund Führungskräfte auszubilden, die eventuell sogar als Nachfolger des Chefs oder der Chefin infrage kommen."

Marthe Korbach, Handwerkskammer Hannover


Die Studierenden werden im Betrieb ausgebildet und erhalten fundiertes Wissen in den Bereichen Management oder Design an der Hochschule. Parallel zur regulären Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule studieren die jungen Leute ausbildungsund berufsbegleitend vier bis viereinhalb Jahre lang in kleinen Lerngruppen. Dabei gibt es 14-tägig eine Präsenzphase am Freitagnachmittag und Sonnabendvormittag sowie das E-Learning einmal wöchentlich von 18 bis 21 Uhr im virtuellen Klassenraum. Die erste Phase des Studiums endet mit der bestandenen Gesellenprüfung.

Anschließend legen die Studierenden beim Bachelor of Arts Handwerksmanagement, den es seit 2014 gibt, die Prüfung zum Fachmann oder zur Fachfrau für kaufmännische Betriebsführung und die Ausbildereignungsprüfung ab. Während dieser zweiten Phase arbeiten die Studierenden als Geselle oder Gesellin und absolvieren dann die Meisterprüfung. Im letzten Studienabschnitt erstellen sie eine Bachelorarbeit und erhalten zum Abschluss den Qualifikationsgrad Bachelor of Arts (B. A.) Handwerksmanagement.

Der Bachelor of Arts Craft Design setzt den Schwerpunkt im Bereich Gestaltung. Geplanter Start für das Studium ist das Wintersemester 2019. „Die Ausweitung auf eine weitere Fachrichtung erfolgt, um gezielt den gestaltungsnahen Gewerken wie zum Beispiel Tischler, Maler und Lackierer, Goldund Silberschmiede oder Raumausstatter eine Möglichkeit der parallelen wissenschaftlichen Qualifikation zu bieten“, betont Korbach. Schwerpunkte des Studiums sind unter anderem experimentelles Gestalten, kaufmännische Betriebsführung, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Unternehmenskommunikation sowie Kulturgeschichte. Die Absolventen arbeiteten später an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Design und Unternehmensführung.

Während der Lehrzeit erhalten die Studierenden die reguläre Ausbildungsvergütung. Für den Bachelor Handwerksmanagement beträgt die Studiengebühr monatlich 398 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Meistervorbereitung für die Fachtheorie und Fachpraxis, die je nach Handwerk unterschiedlich sind. Für den Bachelor Craft Design wird die Studiengebühr voraussichtlich monatlich 295 Euro kosten.

„Die Betriebe nutzen das triale Studium, um zukünftige Fach- und Führungskräfte auszubilden, die eventuell sogar als Nachfolger des Chefs oder der Chefin infrage kommen“, erklärt Korbach. Denn das Durchschnittsalter der Betriebsinhaber liege im Kammerbezirk der Handwerkskammer Hannover bei etwa 55 Jahren. Zudem können die Betriebe die Studierenden von Anfang an auch für betriebswirtschaftliche Aufgaben einsetzen und sie an den innerbetrieblichen Prozessen beteiligen.

Genau das interessiert Marita Plaß, die 2017 mit dem trialen Studium in Hannover begonnen hat und eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin macht. Nach dem Abitur suchte sie etwas Anspruchsvolles im handwerklichen Bereich. „Im Handwerk gibt es wenig Nachwuchs, daher sind die Berufsaussichten sehr gut“, sagt die 21-Jährige. Dass sie einmal studieren möchte, stand für die junge Frau von vornherein fest. Das triale Studium ist ideal für sie: „Wenn man alle Ausbildungen im Handwerk nacheinander macht, dauert das bald länger als ein Medizinstudium“, sagt sie lachend. Nun kann sie Ausbildung, Meisterprüfung und Studium verbinden – eine enorme Zeitersparnis. „Das Studium ist sehr kompakt, aber man weiß immer, wo man steht“, erklärt sie. Die Ausbilder – auch an der Fachhochschule – kämen aus der Praxis. Das sei ein großer Vorteil, da auch die Aufgaben praxisbezogen sind. „Handwerksmanagement ist ein ganz spezieller Bereich, der kaufmännische Teil ist sehr wichtig“, betont Marita Plaß, die im elterlichen Unternehmen lernt. Das triale Studium sei eine sehr gute Vorbereitung, wenn man mal einen Betrieb übernehmen möchte.


THEORIE UND PRAXIS: Ausdauer, Motivation und handwerkliches Geschick sind wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches triales Studium. iStockphoto.com/skynesher
THEORIE UND PRAXIS: Ausdauer, Motivation und handwerkliches Geschick sind wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches triales Studium. iStockphoto.com/skynesher

Marthe Korbach
Telefon: (05 11) 5 45 62 29 53
korbach@hwk-hannover.de
weitere Infos unter:
www.hwk-hannover.de

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