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Home Sonderthemen Komplett Mut zum Neuanfang
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10:04 31.12.2018
Jede Veränderung bringt neue Kontakte und Chancen mit sich – auch im Berufsleben. iStockphoto.com/gustavofrazao

Wer unzufrieden in seinem Job ist und einen Neuanfang plant, muss vieles bedenken: Wohin könnte der Wechsel führen? Wird dort wirklich alles besser? Was könnte schiefgehen?

„Solche Veränderungsprozesse können Angst machen, das schützt ein Stück weit auch vor Selbstüberschätzung“, sagt Ellen Pachabeyan, Psychologin und Business-Coach aus Berlin. Entscheidend sei, sich davon nicht lähmen zu lassen. „Es geht darum, aus der Opferrolle herauszukommen, indem man aktiv wird, sich informiert und sich Klarheit verschafft.“

Selbstbewusstsein stärken

Beim Thema Angst spielen Persönlichkeit und bisherige Erfahrungen eine große Rolle. Wer eher der sorgenvolle Typ ist und schon schlechte Erfahrungen gemacht hat, nimmt die Gefahren und Probleme stärker wahr als die Chancen.


Expertentipp: Pachabeyan empfiehlt, sich die eigenen Stärken bewusst zu machen. „Ich würde mir überlegen, welche Fähigkeiten und Kompetenzen ich entwickelt habe – nicht nur im Beruf, sondern auch in anderen Lebensbereichen.“ Nützlich sei außerdem ein Blick in die Vergangenheit: Wer schon früher starke Veränderungen bewältigt hat, kann aus dieser Erfahrung Selbstvertrauen schöpfen. Dabei sollten Wechselwillige ihre Schwächen nicht unter den Tisch kehren, sondern überprüfen, wie sie ihren Marktwert erhöhen können.

Realität überprüfen

Nicht immer spielen sich Ängste nur im Kopf ab. Auf dem Arbeitsmarkt geht es um harte Fakten, um Angebot und Nachfrage. „Manche Bewerber machen sich unnötig viele Sorgen, andere machen sich zu wenige und landen in einem miesen Job oder in der Arbeitslosigkeit“, sagt Christoph Burger, Psychologe und Karriereberater aus Herrenberg bei Stuttgart.


"Wer das Positive vor seinem inneren Auge visualisiert, all die Vorteile, die das Neue bringen kann, verringert die inneren Ängste."

Cornelia Topf,
Karriereberaterin und Autorin


■ Expertentipp: Wer den Job wechseln will, sollte sich über den Arbeitsmarkt informieren, nicht nur über freie Stellen, sondern auch über deren Qualität. „Ein großes Jobangebot kann auch durch hohe Fluktuation aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen entstehen.“ Auf ansprechende Stellenanzeigen sollten sich Besonwerber daher nicht verlassen, sondern gründlich recherchieren, rät Burger. „Dann merke ich sehr schnell, ob meine Ängste begründet sind.“

Risiken und Chancen abwägen

Riskant kann es sein, zu lange an einem Arbeitsplatz festzuhalten. Eine jahrelange Festanstellung biete kaum noch Sicherheit, warnt Burger. Im Gegenteil: Wer niemals von sich aus wechselt, wirke unflexibel. Das verringere die Chancen am Arbeitsmarkt.

■ Expertentipp: Arbeitnehmer sollten in einem Jobwechsel nicht nur die Risiken sehen, sondern auch die Chancen. „Karriere macht nur, wer planvoll wechselt und nicht irgendwann dazu gezwungen wird“, sagt Burger. Studien zeigen, dass gezielte Jobwechsel häufig zu Gehaltssteigerungen führen. „Wer sich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbt, stärkt seine Verhandlungsposition.“

Die Zukunft visualisieren

Wer an Veränderungen denkt, hat dabei meist ein Ziel im Kopf – doch nicht unbedingt auch vor Augen. Stattdessen malen sich viele Menschen genau aus, was alles passieren kann.

■ Expertentipp: Wenn Katastrophenfantasien hochkommen, sollten Betroffene das konsequent durchspielen, rät Pachabeyan. „Was könnte schlimmstenfalls passieren – und was kommt danach? Dann merkt man meistens, dass das Leben auch dann weitergeht.“ Eine andere Möglichkeit sei es, sich die Wunschzukunft auszumalen, empfiehlt Karriereberaterin und Autorin Cornelia Topf aus Augsburg: „Wer das Positive vor seinem inneren Auge visualisiert, all die Vorteile, die das Neue bringen kann, verringert die inneren Ängste.“

Keine Angst vor Rückschlägen

Selbst unzufriedenen Arbeitnehmern fällt die Trennung vom alten Arbeitsplatz oft schwer. Denn noch bieten die ungeliebten Aufgaben und Strukturen ein gewisses Maß an Routine und Sicherheit. „Bewerber machen sich oft Sorgen, wie sie am neuen Arbeitsplatz aufgenommen werden und ob sie mit den neuen Abläufen und Aufgaben zurechtkommen“, berichtet Topf.

■ Expertentipp: Dabei bedeute so ein Wechsel nicht das Ende, sagt Topf. „Ich verkaufe ja nicht meine Seele.“ Vielmehr bringe jede Veränderung neue Kontakte und Chancen mit sich. „Es kommt sogar vor, dass jemand später wieder bei seinem früheren Arbeitgeber anfängt und dort mit den neuen Erfahrungen eine interessantere Aufgabe bekommt.“ Umso wichtiger sei es, vor dem Wechsel einen guten Abschluss zu schaffen. „So bleibe ich dort in guter Erinnerung. Und außerdem hilft es dabei, innerlich loszulassen.“ Jörg Wiebking, dpa


Curriculum Vitae Längere Phasen der Erwerbslosigkeit sollten schon im Lebenslauf begründet werden. iStockphoto.com/JLGutierrez
Curriculum Vitae Längere Phasen der Erwerbslosigkeit sollten schon im Lebenslauf begründet werden. iStockphoto.com/JLGutierrez

Kündigung im März, neuer Job im November: Wer im Lebenslauf eine Lücke von mindestens sechs Monaten hat, sollte sie in einer Bewerbung erklären. Bei manchen Arbeitgebern ist das auch schon bei kürzeren Unterbrechungen zwischen zwei Stellen sinnvoll, rät die Karriereberaterin Svenja Hofert: „In einer sehr konservativen Branche will man vielleicht auch schon für zwei Monate eine Erklärung.“

Die Erläuterung der Lücke sollte in der Regel direkt im Lebenslauf stehen. Im Anschreiben kommt sie möglicherweise zu spät, so die Expertin: „Das lesen die Personaler meistens erst, wenn der Lebenslauf passt.“

Die Erklärung der Lücke sollte dann möglichst ehrlich sein, schließlich müssen sich Bewerber im Ernstfall auch Fragen dazu stellen können. Eine längere Stellensuche fälschlicherweise zur „Weltreise“ zu erklären ist keine gute Idee. Allerdings sollte die Erklärung der Lücke auch nicht so formuliert sein, dass sie die Jobchancen schmälert. „Bei Krankheiten sollte also zum Beispiel möglichst dabeistehen, dass man wieder voll rehabilitiert ist“, rät Hofert. „Wichtig ist, da einen positiven Ausblick zu vermitteln.“ Ansonsten würden solche Umstände eher für Ängste oder Bedenken bei dem potenziellen Arbeitgeber sorgen.

Deshalb hat die Offenheit auch ihre Grenzen. „Je länger eine Erwerbslosigkeit dauert, desto geringer sind die Chancen auf Einladung, das ist leider einfach so“, sagt Hofert. Sie empfiehlt daher, das Wort Arbeitslosigkeit möglichst nicht in den Lebenslauf zu schreiben. Stattdessen sollten Bewerber knapp auf andere Dinge wie Weiterbildungsmaßnahmen verweisen, die sie in der Zeit gemacht haben. dpa/tmn

Wechseln Arbeitnehmer den Job, sollten sie einen aufgeräumten Schreibtisch hinterlassen. Das heißt aber nicht, dass sie Büromaterial wie schon öfter verwendete Kugelschreiber oder halb verbrauchte Blöcke einfach mitnehmen dürfen. „Grundsätzlich muss der scheidende Mitarbeiter alles dalassen, was nicht privat ist“, erklärt Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin. Das gilt nicht nur für alle Daten, die das Unternehmen betreffen. Auch Schmierzettel beispielsweise, auf denen jemand Notizen zu dienstlichen Besprechungen gemacht hat, und angekaute Bleistiftstummel müssen im Büro bleiben. „Wenn ich noch damit schreiben kann, könnte das jemand anders auch noch“, erläutert Meier. Der Terminkalender mit dienstlichen Verabredungen gehört ebenfalls nicht dem Mitarbeiter. „Auch wenn darauf ein paar private Termine notiert sind.“ In Zweifelsfällen sollten Jobwechsler mit ihrem Vorgesetzen klären, was noch im Büro verwendbar ist und was in den Mülleimer wandern kann. dpa/tmn

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