Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover

Home Sonderthemen Hannover Region Süd „German-American“ Weihnacht in Ohio
Anzeige
16:33 28.12.2018
Frohes Fest, Bianka und Robert

Seid ihr sicher, dass ihr hierher wollt? Hier gibt es nichts, hier ist es langweilig!“ Zum Glück haben wir uns trotz dieser Warnung auf dieses Abenteuer eingelassen. Seit drei Monaten sind wir nun hier, im ruhigen, aber äußerst schönen Ohio, und wohnen in einer kleinen Stadt südlich von Cleveland, die mit ihren etwa 400 000 Einwohnern dem schnuckeligen Hannover gar nicht so unähnlich ist. Einen großen See gibt’s auch hier – Maschsee und Lake Erie sind fast vergleichbar.

Für drei Jahre hat es uns dank der Arbeit für einen hannoverschen Automobilzulieferer in die USA verschlagen. Die Wohnung in unserer Heimat Rethen haben wir aufgegeben, den Euro-5-Diesel mit ordentlich Verlust verkauft (das Timing war da „super“ gerade …) und die Möbel mit dem Container über den Teich geschickt. Was für eine tolle Gelegenheit und welch ein Abenteuer. Jetzt leben wir in der kleinen Stadt Cuyahoga Falls.


Und auf einmal feiern wir schon unser erstes Weihnachtsfest im Ausland, und dann auch noch das erste als verheiratetes Paar! Was hat uns nur geritten? Ja, richtig: die Aussicht auf ein ganz neues, völlig selbst gestaltetes, ruhiges Fest. Zum ersten Mal seit Jahren werden wir nicht gestresst zwischen diversen Essensterminen hin- und hereilen, in der Hoffnung, es allen Seiten der Familie recht zu machen. Aber Spaß beiseite: Ein Fünkchen Wahrheit steckt natürlich doch dahinter, denn tatsächlich gestalten wir jetzt zum ersten Mal unser ganz eigenes „German- American“ Weihnachten – und da freuen wir uns riesig drauf. Wir feiern zusammen mit zwei guten Freunden, die uns aus Hannover über die Feiertage besuchen kommen. Auch wenn wir die daheimgebliebene Sippschaft natürlich ordentlich vermissen. An dieser Stelle herzliche Grüße an unsere Eltern, Großeltern, Geschwister, Nichten, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen und Freunde. Hoffentlich haben wir niemanden vergessen.

Und wann, wenn nicht zur Weihnachtszeit, lernt man die Kultur im Ausland besonders gut kennen? Obwohl man schon seit Wochen von allen Ecken beschallt wird, ging der Wahnsinn hier in den USA eigentlich erst so richtig nach Thanksgiving los. Seitdem werden Häuser in bester Chevy-Chase-Manier mit Lichterketten bepackt, nonstop Weihnachtslieder auf fast jedem Radiosender gespielt, und im TV läuft eine Weihnachtsschnulze nach der anderen. Advent gibt es hier nicht, aber das hat uns zwei Hannoveraner nicht davon abgehalten, einen eigenen Kranz zu basteln und den typischen Hannover-Adventskalender, ein tolles Geschenk aus der Heimat, aufzustellen. Tatsächlich vermissen wir aber beispielsweise Dominosteine, aber wir hoffen noch auf eine deutsche Woche im Supermarkt. Vielleicht haben wir Glück, im Herbst gab es da mal den guten Doppelkeks.

Der Baum wurde am zweiten Dezemberwochenende gekauft, womit wir hier schon ziemlich spät dran waren – denn normalerweise werden die (leider viel zu oft unechten) Weihnachtsbäume bereits am 26. Dezember wieder weggepackt. Gemütlich ist irgendwie anders. Das deutsche Konzept der Gemütlichkeit scheint die Amerikaner dennoch zu faszinieren, denn auf jedem Flyer fürs German Oktoberfest oder den Christkindlmarket steht dieses Schlagwort inklusive Definition und häufig mit Lautschrift „Ge-Mit-Lick-Kite“. Da kann man mal sehen, dass wir Deutschen nicht immer nur als streng und humorlos gelten, sondern eher als streng, humorlos UND gemütlich. Immerhin.

Wir wünschen stattdessen allen Hannoveranern in der Heimat gesegnete Weihnachten, ein schönes Fest, viele Geschenke und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wer Lust hat, die USA mal abseits der großen Städte kennenzulernen, dem sei unsere neue Heimat rund um den Cuyahoga-Valley-National-Park sehr ans Herz gelegt. Wir freuen uns über jede vertraute Stimme, die wir auf der Straße hören. Bianka und Robert Heymann

1
/
11
Datenschutz